Ausbildungspaket für Jugendliche

Ausbildungspaket für Jugendliche

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise treffen junge Menschen besonders hart. 172.646 Menschen waren im Mai 2020 in Wien arbeitslos. Im Vergleich zum Mai des Vorjahres ist das ein Plus von 57,2 Prozent oder 62.817 WienerInnen. Bei den 20- bis 24 Jährigen hat sich mit einem Plus von 8.550 Personen die Arbeitslosigkeit mehr als verdoppelt. Insgesamt sind 16.154 jungen WienerInnen in dieser Altersgruppe ohne Job. Bei den dem AMS gemeldeten Lehrstellen zeichnet sich ein Rückgang von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr ab.

Das Wiener Ausbildungspaket soll dem entgegenwirken, umgesetzt wird es vom waff (Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds). Dafür nimmt die Stadt Wien 17 Millionen Euro in die Hand:

  • 10 Mio. Euro für die überbetriebliche Lehrausbildung
  • 7 Mio. Euro für die Qualifizierung junger arbeitsloser WienerInnen:
    – Qualifikationspässe für Bildungsscreening von mehr als 3.000 jungen arbeitslosen WienerInnen
    – Hilfe beim Nachholen von Lehrabschlüssen und anderen Ausbildungen
    – Qualifizierung für Zukunftsberufe

10 Mio. Euro für die überbetriebliche Lehrausbildung in Wien

Um die notwendigen zusätzlichen Ausbildungsplätze spätestens ab September 2020 zur Verfügung zu haben, bedarf es einer Finanzierungssicherheit für das AMS (Arbeitsmarktservice), weil die Ausbildungseinrichtungen Zeit für den weiteren Ausbau der Platzkapazitäten brauchen. Die Stadt Wien tritt in Vorleistung und wird den bisherigen Finanzierungsbeitrag für die überbetriebliche Lehrausbildung in der Höhe von 6,7 Millionen Euro auf 10 Millionen Euro aufstocken. In den nächsten Wochen wird der waff gemeinsam mit dem AMS Wien bereits Unterstützungsmaßnahmen zur bestmöglichen Vorbereitung der Jugendlichen auf die Lehre starten. Eine bessere Ausstattung der technischen Lerninfrastruktur, etwa durch den Ankauf von Tablets, soll damit ebenso finanziert werden, wie zusätzlicher Förderunterricht oder Vorbereitungskurse auf die Lehrabschlussprüfung.

 

7 Mio. für die Qualifizierung junger arbeitsloser WienerInnen

Qualifikationspässe für Bildungsscreening
Über die Hälfte der arbeitslosen WienerInnen zwischen 20 und 24 Jahren haben höchstens einen Pflichtschulabschluss. Konkret sind das 8.712 Jugendliche in dieser Altersgruppe. Sie sollen daher gezielt beim Nachholen von Lehrabschlüssen oder gleichwertigen Ausbildungen unterstützt werden. Das AMS Wien und der waff werden in einem ersten Schritt alle 18 bis 21-jährigen arbeitslosen WienerInnen, die keine abgeschlossene Ausbildung haben, einladen und ihnen den Qualifikationspass Wien anbieten.Der Qualifikationspass unterstützt und begleitet WienerInnen, die maximal einen Pflichtschulabschluss haben, bis zu einem Ausbildungsabschluss, etwa den Lehrabschluss. In dem von einer speziellen Datenbank gestützten Dokument wird erfasst, welche Kompetenzen die betreffende Person bereits mitbringt, was das konkrete Ausbildungsziel ist, welche Qualifizierungsschritte in diese Richtung schon gesetzt wurden und welche noch offen sind. Die Beraterinnen und Berater von AMS Wien und waff können mit Hilfe dieses persönlichen Dokumentes auf einen Blick sehen, wo die betreffende Person steht und können punktgenau Unterstützungsmaßnahmen anbieten.

Jugendstiftung – Qualifizierung für Zukunftsberufe
Trotz der aktuellen Krise am Arbeitsmarkt gibt es Branchen, die zusätzliche Arbeitskräfte brauchen. Das ist allen voran der Gesundheits- und Pflegebereich und der IKT-Bereich. Dazu kommt, dass etwa zur Bekämpfung des Klimawandels ganz neue Berufe mit entsprechenden Qualifikationen gefragt sein werden. Der waff wird daher gemeinsam mit dem AMS Wien ein Modell für eine Arbeitsstiftung ähnlich der „Jobs PLUS Ausbildung“ entwickeln, wo er mit Branchen und Unternehmen, die spezielle Fachkräfte suchen, kooperiert und damit Arbeitsuchenden einen beruflichen Neustart ermöglicht.

Neue Ausbildungsbetriebe durch Ausbildungsverbünde
Ziel ist es, auch neue Betriebe für die Lehrausbildung zu gewinnen. Eine Möglichkeit dafür sind sogenannte Ausbildungsverbünde. Sie haben den Vorteil, dass ein Betrieb, der in einem Beruf nicht alle Ausbildungsinhalte abdecken kann, die fehlenden Teile durch eine Kooperation mit anderen Betrieben anbieten bzw. sie am Bildungsmarkt ankaufen kann. Im Mittelpunkt steht dabei die Kooperation mit den überbetrieblichen Lehrausbildungseinrichtungen.  So sollen deren räumliche und technische Infrastruktur, aber auch das Know-how der AusbildnerInnen von den Betrieben im Ausbildungsverbund genutzt werden können.

Weitere Schwerpunkte zur Unterstützung der Wiener ArbeitnehmerInnen
Der waff ist mit seinem gesamten Unterstützungsangebot für beschäftigte WienerInnen von Information und Beratung bis hin zu finanzieller Förderung mit bis zu 5.000 Euro für berufliche Weiterbildung wieder in vollem Umfang bereit. Insgesamt stehen dafür heuer fast 24 Millionen Euro zur Verfügung. Ganz besonders adressiert der waff dabei aktuell auch WienerInnen, die in Kurzarbeit sind und diese Zeit für berufliche Weiterbildung nutzen wollen. Das sind derzeit rund 280.000 WienerInnen. Begleitet wird das durch eine Informationskampagne des waff unter dem Motto „Wir sind gerade jetzt für Sie da“. Bereits unmittelbar nach Ausbruch der Coronakrise hat die Stadt die Mittel für die sogenannte waff Insolvenzstiftung um 3 Millionen Euro aufgestockt, um Opfer von Unternehmensinsolvenzen bei einem beruflichen Neuanfang in sozial abgesichertem Rahmen entsprechend unterstützen zu können. Derzeit gibt es insgesamt 700 Plätze zur Verfügung und damit um 435 mehr als ursprünglich geplant.