Drittes Corona-Paket der Stadt

Drittes Corona-Paket der Stadt

Eckpfeiler des über 50 Mio. Euro schweren dritten Corona-Pakets sind der Wiener Arbeitsmarkt, die Gastronomie, der Tourismus, die Nachwirtschaft sowie Investitionen in die Zukunft.

Gezielte Maßnahmen als Ergänzung zu Bundesmaßnahmen

Vor allem die Bereiche Arbeitsmarkt, Tourismus, Gastronomie und Nachwirtschaft brauchen Unterstützung. So zeigt die Corona-Krise noch immer massive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und schlägt sich in einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit in Wien und ganz Österreich nieder. 170.027 Personen waren im August in Wien arbeitslos. Das entspricht einem Anstieg der Arbeitslosigkeit (inkl. Schulungen) im August 2020 von +37.391 Personen (+28,2 %) in Wien gegenüber dem Vorjahresmonat. Die aktuelle Arbeitslosenquote in Wien liegt derzeit bei 15,3 %. 41.292 Personen über 50 waren im Juli 2020 arbeitslos.

Die Joboffensive 50+ ist eine Maßnahme der Stadt Wien gemeinsam mit dem AMS für über 50-jährige arbeitslose WienerInnen. Bisher gab es 1.000 geförderte Jobs in der Stadt Wien, ihren Eirichtungen und Unternehmungen, in NGOS, die mit der Stadt kooperieren, und in privaten Unternehmen. Jetzt werden 1.000 zusätzliche Plätze für diese Maßnahme zur Verfügung gestellt. Die neuen Corona-Maßnahmen sind zudem auf die Unterstützung von Lehrlingen ausgerichtet. Mit einem Lehrlingsverbund schützt die Stadt Wien Lehrstellen und entlastet Ausbildungsbetriebe, die Corona-bedingt die Lehrausbildung nicht aufrechterhalten konnten.

Der Tourismus in Metropolen ist global zum Erliegen gekommen, da gerade Großstädte von internationalen Gästen profitieren. Von den 17,6 Mio. Nächtigungen in Wien (2019) entfallen 83 % auf ausländische Gäste. Wien hält sich im Vergleich mit anderen Metropolregionen vergleichsweise gut. Zudem haben Wiens Beherbergungsbetriebe in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet, 2019 wurde erstmals die Umsatzmilliarde geknackt. Darauf aufbauend konnten einige Betriebe Reserven anlegen, die ihnen jetzt durch die Krise hilft.  Drei Viertel  der Wiener Hotels haben wieder geöffnet, dennoch lag die Zimmerauslastung im Juli mit 29,9 Prozent immer noch unter der des Vorjahres (86 Prozent). Mit einer jährlichen Wertschöpfung von 3,97 Mrd. Euro (direkte und indirekte Effekte) und einem Beitrag von 4,2 Prozent zu Wiens Bruttoregionalprodukt ist der Tourismus auch ein wichtiger Jobmotor für Wien. Rund 116.500 Jobs sind dem Wiener Tourismus- und der Freizeitwirtschaft zuzurechnen.

Seit dem Lockdown ist das Nachtleben in den Wiener Clubs zum Erliegen gekommen. 4.300 Betriebe – das sind 5 Prozent aller Wiener Unternehmen – sind der Wiener Nachwirtschaft zuzurechnen. Insgesamt beschäftigen diese rund 24.000 Personen und erwirtschaften einen Jahresumsatz von fast 1 Mrd. Euro sowie eine Bruttowertschöpfung von rund 440 Mio. Euro.

Das Corona-Paket im Detail

  • 13 Mio. Euro und 1.000 zusätzliche Plätze für die Joboffensive 50+
    Die Stadt vergibt 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose über 50.
  • 1,3 Mio. Euro für das Pilotprojekt Lehrlingsverbund
    Ausbildungsbetriebe, die Corona-bedingt die Lehrausbildung nicht aufrechterhalten konnten, können die Ausbildung ihrer Lehrlinge für einen Zeitraum von vier Monaten bei einen ÜBA-Träger (Überbetriebliche Lehrausbildung) fortsetzen. Die Stadt vermittelt dabei die Lehrlinge in die ÜBA und übernimmt für diesen Zeitraum die Lehrlingsentschädigung. Bedarf sieht die Stadt vor allem in den Bereichen Hotellerie und Gastronomie sowie beim Lehrberuf Bürokaufmann/-frau.
  • 22 Mio. Euro Unterstützungspaket für Tourismus und Hotellerie
    Die rund 1.000 gewerblichen Beherbergungsbetriebe in Wien leiden derzeit besonders unter den Auswirkungen der Corona-Krise. Mit einer Anschubfinanzierung von bis zu max. 50.000 Euro pro Betriebsstätte will die Stadt Wien jetzt helfen und gleichzeitig Arbeitsplätze schützen. Gefördert werden Kosten für Buffet, Getränke, Marketing, Werbung und externe Dienstleistungen. Die Vergleichsgröße für die Finanzierung sind 6 Prozent des Nächtigungsumsatzes von März bis Mai 2019. Einreichungen sind von 1. Oktober bis 30. Juni 2021 möglich, Kosten können bis 30. September 2021 geltend gemacht werden. Mit 7 Mio. Euro für Werbemaßnahmen zur Belebung des städtischen Tourismus wird das Budget des WienTourismus kompensiert, das sonst durch den Ausfall großer Teile der Ortstaxe eingebrochen wäre.
  • 3 Mio. Euro für Wiener Clubs
    Für die Weltstadt Wien und deren Reputation als Stadt internationaler Begegnung ist es zentral, dass das Musikerlebnis in Form des Clubbesuches so rasch wie möglich und in vergleichbarer Dimension zurückkehrt. Dieses Comeback möchte die Stadt Wien mit einer Förderung über die Wirtschaftsagentur Wien unterstützen. Gefördert werden soll die Konzeption und Durchführung entsprechender Projekte, Veranstaltungen oder Programme. Dies schließt jedenfalls Konzeptions-, Planungs-, Werbeaufwendungen sowie Gagen für Künstlerinnen und Künstler mit ein. Bei der geplanten Förderung handelt es sich um eine Ausschreibung auf Wettbewerbsbasis. Die Entscheidung über eine Förderung wird von einer Jury getroffen, die nach einem noch näher zu definierenden Kriterienkatalog (hiezu sollen beispielsweise zählen: Originalität/Kreativität des Konzepts, Internationalität, Gender- und Diversity-Aspekte) ihre Auswahl nach dem Wettbewerbsprinzip trifft. Solange besondere COVID-19-Schutz- und -Verhaltensmaßnahmen gelten, ist deren Einhaltung selbstverständlich zwingende Voraussetzung. Gefördert werden 90 Prozent der Kosten, die maximale Fördersumme beträgt 30.000 Euro.
  • Winter-Schanigärten 2020/2021
    Mit einer Novelle des Gebrauchsabgabegesetzes (GAG) werden bestehende Sommer-Schanigärten auch über den Winter offen halten können, sofern nicht bereits vergebene Bewilligungen im Winter entgegenstehen (z.B. Maronistände etc.).
  • 14 Mio. Wachstumsinitiative für Digitalisierung, Klimaschutz und Standortbelebung
    Gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Wien lanciert die Stadt Wien eine Initiative, um private Unternehmen bei ihren Investitionen in die Zukunft in den Bereichen Klimaschutz, Standortbelebung und Digitalisierung zu fördern. Die WKBG (Wiener Kreditbürgschafts- und Beteiligungsbank AG) übernimmt dabei als Förderbank die Ausfallsbürgschaft im Ausmaß von bis zu 70 Prozent der Investitionskosten gegenüber der finanzierenden Hausbank. Insgesamt bedeutet das eine Haftung für Kredite in der Höhe von 20 Mio. Euro. 7 Mio. Euro kommen dabei von der Stadt Wien, weitere 7 Mio. Euro von der Wirtschaftskammer Wien.